Berlin, 6. Juli 2016 – Die Briten steigen aus der Europäischen Union (EU) aus und überraschen damit den Rest der Welt. Die globalen Aktienmärkte kollabierten und Investments in das Britische Pfund erfuhren hohe Verluste – sofern sie nicht abgesichert waren. Anleger haben jetzt viele Fragen: Wohin werden sich das Britische Pfund, der Euro, der US-Dollar und der Japanische Yen bewegen? Wie soll man auf diese Turbulenzen reagieren? Und wie kann das Währungsrisiko im Portfolio abgesichert werden?

Britisches Pfund weiter unter Druck

Die Briten nehmen mit ihrer Entscheidung zum Ausstieg zugleich alle negativen Konsequenzen in Kauf. Eine der größten Auswirkungen betrifft die Währung Großbritanniens: In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 2016 verlor das Britische Pfund im Verhältnis zum US-Dollar enorm und pendelte sich zwischen 1,31 und 1,35 US-Dollar ein. Das ist der niedrigste Kurs seit 1985. Auch die darauffolgende Handelswoche sorgte für keine nennenswerte Erholung für das Pfund Sterling. Diese erscheint auch in den kommenden Wochen relativ unwahrscheinlich. Zu groß sind die mit der Brexit-Entscheidung einhergehenden politischen Unruhen. Außerdem signalisierte die Bank of England eine Lockerung der Geldpolitik im Laufe des Sommers. Dies sollte das Pfund weiter belasten.

Alles in Allem, sind wir jedoch davon überzeugt, dass die britische Währung auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird. Sie fungiert bereits seit Jahrzehnten als Reservewährung und London wird seine Attraktivität als Finanzstandort behalten – sofern keine gravierenden Entscheidungen in den kommenden Verhandlungen zum Brexit getroffen werden. Eine tatsächliche Entspannung im Pfund dürfte es jedoch erst geben, wenn sich die politische Situation geklärt hat und dies könnte mehrere Jahre dauern. Eine Stabilisierung könnte schrittweise erfolgen, wäre aber auf einem fragilen Fundament gebaut.

Euro zwischen Erholung und Verlusterwartung

Auch der Euro wurde vom Abwärtssog erfasst: In den frühen Morgenstunden des 24. Juni 2016 verlor die europäische Gemeinschaftswährung an Boden und fiel bis auf 1,091 US-Dollar. Im Laufe des Tages konnte sich der Kurs stabilisieren und beendete die Handelswoche bei 1,11. In den Folgetagen konnte sich der Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar (EUR/USD) nach einer Kurslücke im Bereich zwischen 1,10 und 1,12 halten. Nach dem großen Schock sank die Volatilität erwartungsgemäß und der EUR/USD dürfte sich in den kommenden Wochen in einer engen Bandbreite zwischen 1,08 und 1,13 bewegen. Langfristig betrachtet erwarten wir ein äußerst schwieriges Umfeld für den Euro. Das absolute Tief wurde noch nicht erreicht. Die Zins- und Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte noch eine lange Zeit locker bleiben. Dies und die politischen Unsicherheiten wiegen schwer auf die Gemeinschaftswährung und könnten beim EUR/USD im Laufe dieses oder des nächsten Jahres zur Parität führen – sobald  die Auswirkungen des Brexits klarer werden.

US-Dollar und Japanischer Yen bleiben stabil

Anders sieht es dagegen in den Vereinigten Staaten (USA) und Japan aus. Seit dem Brexit-Votum profitiert der US-Dollar im Vergleich zu den europäischen Währungen (Euro, Britisches Pfund, Schweizer Franken et cetera). Allerdings wird die Fed aufgrund der weltweit gestiegenen wirtschaftlichen Unsicherheit mit möglichen Zinsanstiegen noch warten. Die Risikoaversion des Marktes zeigt sich auch in den steigenden Kursen der zehnjährigen und dreißigjährigen US-Staatsanleihen. Dennoch sollte der US-Dollar im Vergleich zu den europäischen Währungen peu à peu weiter aufwerten.  Auch die Parität zum Pfund Sterling liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Dies ist jedoch stark von den kommenden Verhandlungen zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, den wirtschaftlichen Auswirkungen und der Politik der Zentralbanken abhängig.

Der Japanische Yen (JPY) wird, dank seinem Ruf als Safe Haven und den rückläufigen Kapitalflüssen, von der Unsicherheit in Europa profitieren und stark bleiben. Eine Intervention der Bank of Japan, bei einem USD/JPY Kurs unter 100 erscheint sehr wahrscheinlich, da ein zu starker Yen die Exporte Japans bremsen würde. Falls dies passiert, könnte die Bank of Japan den Yen temporär schwächen, jedoch nicht langfristig abwerten.

Währungsrisiko absichern und Chancen nutzen

Bei solchen politischen Großereignissen – wie aktuell dem Brexit – ist es für die Anleger von elementarer Bedeutung, sich rechtzeitig abzusichern. Dazu ein kleines Beispiel: Ein Investment eines deutschen Anlegers in den britischen Leitindex FTSE 100 hätte innerhalb einer Nacht einen Verlust von circa 9 Prozent mit sich gebracht. Dazu kämen noch die Verluste, die sich aus dem mit einem Auslandsinvestment verbundenem Währungsrisiko ergeben. Das Britische Pfund hat gegenüber dem Euro zeitweise über 9 Prozent verloren. Daraus ergäbe sich ein kumulierter Verlust von über 18 Prozent in kürzester Zeit. Je nach Absicherungsstrategie – zum Beispiel mit einer ausgeglichenen Verteilung der Assets – hätte der Anleger sein Kapital nicht nur schützen, sondern auch in den Risiken Chancenpotentiale erkennen können. Zum Beispiel bei einer Anlage in Höhe von 100.000 Euro in den britischen Leitindex FTSE100 und einer einhundertprozentigen Absicherung ergäbe sich daraus sogar ein Gewinn von einem Prozent. Positionen in anderen Währungen wie den Yen, den US-Dollar oder den Schweizer Franken boten in diesem Fall sogar größere Gewinnchancen.